September

Tonhalle Zürich

Die Tonhalle Zürich erstrahlt nach der umfassenden Instandsetzung in den Jahren 2017 bis 2021 wieder in ihrer ganzen Pracht.

In historisierendem Stil kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut, erfuhr die Tonhalle im Lauf der Zeit so einige Veränderungen: Ein Teil wurde abgebrochen, das Kongresshaus angebaut, viele der originalen Verzierungen wurden entfernt, man reduzierte die Farbigkeit und brachte sie wieder zurück. Was glücklicherweise in ihrer Substanz bestehen blieb, sind die beiden Säle, gehört doch die Grosse Tonhalle zu den akustisch besten Sälen der Welt.

Inzwischen steht das ganze Ensemble unter Denkmalschutz. Dank der Zürcher Stimmbevölkerung, die 2016 mit grosser Mehrheit Ja sagte zu einer umfassenden Instandsetzung, genügt sie nun vor und hinter der Bühne den heutigen vielfältigen Ansprüchen – und strahlt in neuer Frische. Nach den Umbauarbeiten der Jahre 2017 bis 2021 ist auch die alte klangliche Brillanz des grossen Saals zurück.

Die Geschichte der Tonhalle Zürich

Die erste Tonhalle stand auf dem heutigen Sechseläutenplatz in der Zürcher Innenstadt. Das ursprüngliche Kornhaus wurde 1867 zur Tonhalle umgebaut und 1896 abgebrochen. Denn im Oktober 1895 war die neue Tonhalle am See feierlich eingeweiht worden. Die Eröffnungskonzerte dirigierten der damalige Chefdirigent Friedrich Hegar und der Komponist Johannes Brahms. Die Entwürfe zur Tonhalle am See kamen von den Wiener Architekten Fellner und Helmer. Die beiden hatten nur wenige Jahre zuvor das Zürcher Stadttheater – das heutige Opernhaus – gebaut (1891).

Von aussen ähnelte die Tonhalle mit ihren verspielten Türmen dem damaligen Palais du Trocadéro in Paris. Die Gründerzeit-Architektur setzte an der neu angelegten Zürcher Seepromenade einen markanten städtebaulichen Akzent an zentraler Lage. Der kleine und der grosse Konzertsaal der Tonhalle wurden nach dem Vorbild des Neuen Gewandhauses in Leipzig gestaltet. Für gesellschaftliche Festanlässe und Kurzkonzerte wurden die Konzertsäle mit einem elliptischen Musikpavillon verbunden.

Im grossen Konzertsaal zeigen fünf auffällige Deckenmalereien verschiedene musikalische Szenerien. Im Zentrum steht der «Komponistenhimmel» des Wiener Dekorationsmalers Peregrin von Gastgeb mit Porträts von Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven, Wagner und Brahms. Bis heute zählt der grosse Konzertsaal der Tonhalle zu den akustisch besten der Welt und bietet einem Konzertpublikum von über 1500 Personen Raum.

Anlässlich der Schweizerischen Landesausstellung 1939 in Zürich wurde der repräsentative gründerzeitliche Festbau mit Pavillon und Trocadéro-Türmen abgerissen. Es entstand an selber Stelle von 1937 bis 1939 ein schlichtes Kongressgebäude. Die verantwortlichen Architekten waren Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger. Glücklicherweise blieben die beiden Konzertsäle der Tonhalle erhalten, in dem sie in das Kongressgebäude integriert wurden. Die in den Konzertsälen als zu üppig empfundenen Gipsverzierungen und Komponistenbüsten wurden teilweise entfernt. Die bunte Vielfalt wurde durch Grau- und Brauntöne ersetzt, die rosafarbenen Marmorsäulen wurden übertüncht.

Es folgten über die Jahrzehnte weitere Umbau-, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten. Der umstrittene Neubau des spanischen Architekten Rafael Moneo wurde 2008 in einer Volksabstimmung deutlich abgelehnt. Grosse Zustimmung hingegen fanden 2016 beim Zürcher Stimmvolk die Pläne des Stadtrats für eine Instandsetzung und Renovation des Kongresshauses und der Tonhalle.
Somit erhält die Tonhalle am See nach baulichen Verzögerungen ihre festliche Ausstrahlung zurück und wird im September 2021, in ihrem 126. Jahr, mit einem Konzert des Tonhalle-Orchesters Zürich feierlich wiedereröffnet.

Symposium zur Wiedereröffnung

Resonanzräume – Fellner & Helmer und der Konzertsaalbau um 1900

Do, 23. Sep 2021
Kleine Tonhalle, 18.00 Uhr (Festvortrag)

Fr, 24. Sept 2021
Vereinssaal 09.00 – 17.45 Uhr

Die Beiträge des Symposiums behandeln musik-, architektur und kunsthistorische sowie urbanistische und ästhetische Aspekte. Vorträge zu Konzertsaalbau und -restaurierung heute sowie zur Entwicklung der Konzertsaalorgel beleuchten besonders die Praxis.

Das Symposium ist kostenlos und für alle Interessierten frei zugänglich.
Aufgrund des Schutzkonzepts melden Sie sich bitte an: events@tonhalle.ch (Betreff: Symposium)

Mehr Informationen

Fr 24. / Sa 25. Sept 2021
Stadtrundgang: Wovon lebt die Musik?
Jeweils ca. 2 Stunden
Fr 15.00 / 17.00 Uhr, Sa 14.00 / 16.00 Uhr

Der Rundgang gibt spannende Einblicke in die Existenzgrundlagen der Zürcher Musikszene rund um die Gründungszeit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich. Erfahren Sie an bekannten und unbekannten Musikorten der Innenstadt, welche Rolle das Publikum, Unternehmer, die öffentliche Hand, Gesellschaften
oder Mäzene spielten.
Der Rundgang ist das Ergebnis eines Projekts von Musikwissenschafts-Studierenden der Universität Zürich.
Aufgrund des Schutzkonzepts melden Sie sich bitte an: events@tonhalle.ch (Betreff: Wovon lebt die Musik?)

Veranstalter: Musikwissenschaftliches Institut der Universität Zürich
In Zusammenarbeit mit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich